Okt 162012
 

Wertpapierkredite werden wieder beliebter und sind dazu sehr preiswert

In der momentanen Niedrigzinsphase zahlen Anleger relativ hohe Zinsen für Dispositionskredite auch Dispokredite genannt. Diese hohen Zinsen werden deshalb in Rechnung gestellt, weil es sich um nicht besicherte Kredite handelt. Ist die persönliche Bonität sehr stark, werden die Zinsen mit etwas Verhandlungsgeschick gesenkt.

Historisch gesehen wurden gerne Wertpapierkredite, sogenannte Effektenkredite, aufgenommen. Vor der Einführung der Abgeltungssteuer konnten die Zinsen der Wertpapierkredite als Werbungskosten geltend gemacht werden. Das ist leider entfallen und die Wertpapierkredite gerieten in Vergessenheit. Doch mit der Reformierung des Kreditgeschäfts und den Ratingeinstufungen von Privatpersonen, wurden die besicherten Kredite immer günstiger.

Der Kreditbedarf eines Anlegers mit Wertpapiervermögen kann zu einem hohen Anteil in der Regel durch einen Wertpapierkredit abgedeckt werden. Es kommt auf den Beleihungswert der Wertpapiere im Wertpapierdepot oder im Fondsdepot an. Jedes Kreditinstitut pflegt seine eigenen Beleihungsrichtlinien für Wertpapiere. Diese Beleihungsrichtlinien können auch während einer Kreditaufnahme verändert und der Dispositionsrahmen gesenkt werden.

Eine Kreditinanspruchnahme sollte nur dann erfolgen, wenn die Wertpapiere auf Sicht auch Erfolg versprechen. Andersfalls ist es besser, die Wertpapiere zu verkaufen und keinen Kredit auf zu nehmen. Das psychologische Problem bleibt, ein entgangener Gewinn wäre sicherlich ärgerlich. Dafür wird der Kredit aber für eine gute Sache, die eigene Investition verwendet.

Für Aktien galt häufig ein geringer Beleihungswert von ca. 30% des tatsächlichen Kurswertes. Für Anleihen wurden ca. 80% des Kurswertes als Beleihungswert von dem jeweiligen Kreditinstitut festgelegt. Aktuell liegen Aktien bei Kurswerten im Beleihungswert zwischen 30 und 50% und wurden somit aufgewertet. Anleihen werden hingegen mit geringeren Beleihungswerten von 40 bis 50 Prozent zur Bewertung angesetzt. Bei den Bewertungen der Anleihen achten Banken vermehrt auf die Bonitäten der Unternehmen. Außerdem wird die aktuelle Niedrigzinsphase eine große Rolle spielen. Bei einem Zinsniveau von aktuell 1,5% bei 10 jährigen Bundesanleihen kann bei einer Zinssteigerung von 3 % ein Risiko von 25-30 Prozent zusätzlich mit einer Bonitätsänderung ein noch höheres Risiko entstehen. Deswegen sind auch Anleihen von einer geringeren Bewertung für Wertpapierkredite betroffen.

Werden Wertpapierkredite aufgenommen, so sind Verkäufe von Wertpapieren möglich. Die Auszahlung der freien Liquidität kann etwas schwieriger werden, wenn die Besicherung nicht mehr vollständig ausreicht. Dann wird in der Regel auch der Kreditrahmen gekürzt.

Als Tipp für den Anleger:
Wer Altbestände an Wertpapieren besitzt, die vor der Einführung der Abgeltungssteuer angeschafft wurden, kann mit einem Wertpapierkredit die Steuerfreiheit der Kapitalerträge seiner Wertpapiere weiterhin aufrecht halten.